PG Bad Neustadt

Predigt am Christkönigsonntag zum Verabschiedung von Pfarrvikar Wolfgang Senzel durch Pfarrer Dr. Andreas Krefft

Sehr geehrter Mitbruder im priesterlichen Dienst,
lieber Wolfgang,
nun ist es also so weit. Nachdem du dich in den anderen Pfarrgemeinden bereits nach und nach verabschiedet hast, bist du nun heute hierher gekommen, um auch den Gläubigen in der Stadtpfarrei adieu zu sagen.


Sehr gerne begrüße ich zu unserer gemeinsamen Eucharistiefeier einige Gäste, die dir zu Ehren heute zu uns in die Kirche gekommen sind und nicht zuletzt auch Sie, liebe Gemeinde.

Lieber Wolfgang,
wir haben dich als einen Menschen kennen gelernt, der die Abwechslung liebt und der gerne auch mal neue Wege geht, jedoch als Priester und Seelsorger immer mit dem Blick darauf, für andere da zu sein. Man könnte dich ganz gut mit einem Omnibusfahrer vergleichen.
Vielleicht ist die hier versammelte Gemeinde nun etwas verblüfft, aber der Begriff „omnibus“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „mit allen“, und dies ist doch eigentlich ein schönes Bild für einen Priester. Denn der ist nicht nur Seelsorger zum Selbstzweck, sondern vor allem für die Menschen in seinen Gemeinden.
Sicherlich gibt es da hin und wieder Sonderfahrten für gleiche Zielgruppen, aber ein Pfarrvikar muss anscheinend für alle da sein, für Kinder, Jugendliche und Familien, für Fortgeschrittene und Traditions-gebundene, für Engagierte und Fernstehende, für Glückliche und Gescheiterte, für Brautpaare, Geschiedene und Wiederverheiratete sowie für Sterbende und Trauernde. Kurz gesagt: Man kann einen Priester als Fahrer eines Omnibusses sehen, in dem eben alle Platz finden und der an jeder Haltestelle des Lebens die Türen weit öffnen muss. Türen des Verstehens und Türen der Verkündigung. Den Sprit für seinen Tank holt er sich im Gebet und in der Feier der Eucharistie.

Dass du als ein solcher Omnibusfahrer geradezu geschaffen bist, konnten wir bei dir, lieber Wolfgang, in den sieben Jahren deiner Tätigkeit bei uns eindeutig feststellen. Du bist eine Person, die mit allen Menschen zurechtkommt, fühlst dich im Kindergarten genauso zu Hause wie im Seniorenheim und in der Klinikseelsorge. Als Altenseelsorger warst du sogar auf Dekanatsebene tätig. Mit gleicher Freude hast du Bibelkreise initiiert sowie Familien- und Zeltlager-Gottesdiensten vorgestanden, wobei kleine humoristische Einlagen auf keinen Fall fehlen durften.
Wenn es um die teilweise recht spontane Übernahme von Aufgaben ging, warst du immer ansprechbar, auch wenn dafür einmal ein Termin im Fitness-Studio ausfallen musste. Und als zuverlässiger und loyaler Mitarbeiter in den verschiedenen Gremien hast du engagiert und produktiv an den jeweiligen Diskussionen teilgenommen.

Für diese kollegiale Mitarbeit und das vielseitige und unermüdliche Engagement für die Menschen in unserem Pastoralen Raum sei dir - auch im Namen des Seelsorgeteams und der betreffenden Pfarrgemeinden – ein aufrichtiges Vergelt‘s Gott gesagt.

Aufgrund deiner musikalischen Begabung und deiner geselligen Art haben dich vor allem die Mühlbacher, Löhriether und Sälzer fest ins Herz geschlossen. Wenn „ihr Pfarrer“ seine Quetschkommode zur Hand nahm und Volkslieder oder Schlager aus den 60er-Jahren spielte, flogen dir die Herzen sämtlicher Senioren zu. Ein ganz besonderes Ereignis war allerdings, als du 2018 sogar zum Schützenkönig in Löhrieth gekrönt wurdest.

Nun geht unser Pfarrvikar Wolfgang Senzel vom Mühlbacher Tal ins Dürrbachtal nahe Würzburg. Wir hatten schon große Sorge, dass wir nun auch noch deinen Privatchauffeur, unseren Theo Braun, verlieren. Ihn als treuen Begleiter gehabt zu haben, erfüllt dich sicherlich mit Dankbarkeit. Denn solch einen Luxus können sich nicht einmal die Domkapitulare unseres Bistums leisten.

Aber genau deshalb wechselst du ja in die Nähe einer größeren Stadt, weil da alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Denn aufgrund einer Augenverletzung in deiner Kindheit ist dir das selbst-ständige Autofahren zu gefährlich. So darfst du zwischendurch auch mal als Fahrgast im Omnibus Platz nehmen.

Eine wesentliche und in meinen Augen besonders wertvolle Aufgabe deiner priesterlichen Tätigkeit möchte ich zum Schluss noch betonen. Damit meine ich deinen Einsatz für junge Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden und straffällig geworden sind. Ihnen menschlich und seelsorglich zur Seite zu stehen, war und ist dir ein ganz besonderes Anliegen. Auf diese Weise machst du die Worte Jesu im heutigen Evangelium zu deinem persönlichen Auftrag, wo es heißt: „...ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen…“ Weil du diese jungen Leute auch immer wieder finanziell unterstützt, darf ich dir stellvertretend für die PG Bad Neustadt zu diesem Zweck nach dem Gottesdienst ein Kuvert überreichen.

Nun bleibt mir nur noch, dir für deinen weiteren Lebensweg alles Gute und - in dieser ganz besonderen Zeit der Coronakrise - vor allem Gesundheit zu wünschen. Bei deiner offenen und zugewandten Art wird es dir sicherlich nicht schwer fallen, Kontakte zu knüpfen und in deinem neuen Wirkungsbereich rasch heimisch zu werden.

Außerdem darfst du gewiss sein: Der Chef deines Busunternehmens ist ein treuer und guter Hirte, der immer da ist. Er greift dir vielleicht manchmal helfend ins Steuer und schenkt dir dabei aber Ermutigung und Kraft. Er ist in den unübersichtlichen Kurven des Lebens bei dir, in der Dunkelheit der Enttäuschungen und auf dem Glatteis der schwierigen Fragen unserer heutigen Zeit.

So sei auch im neuen Abschnitt deines Lebens bei allem, was du tust und was dir geschieht, begleitet vom reichen Segen Gottes.

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