PG Bad Neustadt
Wer in diesen Tagen die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt betritt, mag sich vielleicht wundern, dass gleich zwei Altäre im Altarraum stehen. Der bisherige aus rötlichem Marmor im hinteren Bereich und ein kleinerer weißer nahe an den vorderen Stufen.

In der Kirche Mariä Himmelfahrt wurden die ersten sichtbaren Schritte eingeleitet, um das Konzept “Ein Raum für Dich” nach und nach umzusetzen und dies wird nun vor allem im Altarraum sichtbar. Der alte grüne Teppich wurde entfernt und der darunter liegende rötliche Marmor aufgearbeitet. In diesem Zug wurde auch der feste Ambo und die Sitzmöbel für den Pfarrer beziehungsweise die Ministranten entfernt und durch schlichte weiße Stühle ersetzt. Auch der Ambo wurde passend gestaltet. Seit der Adventszeit wurde der neue bewegliche Altar aufgestellt, so dass der Pfarrer näher am Kirchenraum steht.

 

Die grundsätzlichen Gedanken zur Umgestaltung und Anpassung der Kirche an die neuen pastoralen Gegebenheiten beschäftigen die Pfarrgemeinde schon seit rund zwei Jahren. Der weit entfernt stehende Altar im hinteren Bereich der Altarinsel sei nicht mehr zeitgemäß, zeigte Pfarrer Dr. Krefft auf. „Die heutige Liturgie ist eine andere. Die Menschen suchen die Nähe und das Miteinander.“

 

Die derzeitige Gestaltung der Kirche mit dem beweglichen Altar, Ambo und Sitzgelegenheiten sei ein Experiment, sagte Pfarrer Dr. Krefft. „Es geht uns darum mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und zu hören, was sie benötigen. Wir müssen die pastorale Seite sehen. Aber wir müssen auch mit den Fachleuten vom Bau- und Kunstreferat der Diözese Würzburg entscheiden, was für unsere Kirche passend ist.“

 

Es sei nichts festgelegt oder abgeschlossen, betonte Pfarrer Krefft. „Wir müssen uns weiter Gedanken machen. Wir experimentieren. Wir müssen miteinander überlegen, wie der künftige Altar aussehen und wo er stehen wird.“ Zu diesen Überlegungen gehöre auch, die Versetzung des Tabernakels an seinen ursprünglichen Platz in die Mitte des Altarraums, als sichtbares Ziel und Zentrum der Kirche.

 

Die ersten Reaktion der Kirchenbesucher seien grundsätzlich positiv ausgefallen, berichtete Pfarrer Dr. Krefft, dem es gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Alexander Klamt, Kirchenpfleger Ralf Schaub und Andreas Bauer wichtig ist, den Weg der kleinen Schritte zu gehen. Nicht nur aus finanziellen Gründen, da ein Schritt immer weitere nach sich ziehe, sondern auch, um die Menschen mitzunehmen.

 

„Endlich sehe ich die Menschen, kann den Menschen in die Augen schauen. Ich fühle mich wie in einer Familie, mittendrin. Der Abstand war einfach zu groß“, antwortete Pfarrer Dr. Krefft auf die Frage, wie es ihm mit dem neuen Altarstandort gehe. Aber auch die Ministranten werden von der Gemeinde nun endlich wahrgenommen, betonte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Alexander Klamt. „Bisher saßen sie hinter den Säulen und waren verschwunden.“

 

Alexander Klamt, Kirchenpfleger Ralf Schaub und Andreas Bauer verwiesen auf die historischen Entwicklungen im Inneren der Stadtpfarrkirche, die immer Veränderungen unterworfen und dem Zeitgeist sowie pastoralen Veränderungen angepasst wurde. Die nun ins Auge gefasste Umgestaltung orientiere sich an der kunsthistorischen Bedeutung der Kirche, die als „erhabenes Bauwerk des Frühklassizismus in Europa“ bezeichnet wird.

 

Einige weitere Veränderungen wurden im Zuge der begonnenen Umgestaltung vorgenommen. So wurde bei der Bearbeitung des Marmors der Taufstein versetzt. Er befindet sich jetzt auf der Seite der Sakristei, in der Nische beim Heiligen Josef. Dort soll ein Raum für Taufen entstehen, dazu werden noch die seitlichen Sitzbänke entfernt. Ein breiterer Durchgang wurde ebenfalls bereits geschaffen, das Verkürzen der Sitzreihen, um die Säulen freizustellen stehe allerdings noch aus.

 

Bei all diesen Aktivitäten im Altarraum dürfe nicht das Ziel, die Schaffung eines neuen Andachtsraumes am Eingang der Kirche vergessen werden. Hier werde im neuen Jahr mit den Ausbesserungsarbeiten am Putz, an den Stellen, an denen vorher die Beichtstühle waren, begonnen und der Bereich dann farblich aufgearbeitet. Geplant sei eine Marienkapelle mit Einbindung der Marienstatue und der neuen Opferkerzen.

 

Info: Die Stadtpfarrkirche im Wandel der Zeit

1793 wurde die vorhergehende gotische Kirche abgebrochen. Der Neubau konnte nach mehrmaligen Stillständen wegen Kriegswirren und Geldmangel erst 1834 fertig gestellt werden, 1836 wurde der Innenausbau beendet.

 

1883 wurden bei einer ersten Renovierung Altäre und Säulenkapitelle vergoldet. Verschiedene Heiligenfiguren und Kreuzesdarstellungen wechselten, es gab bis zum Ende des 2. Weltkrieges auch fünf bunte Glasfenster im vorderen Teil der Kirche.

 

Ab 1955 wurden größere Veränderungen vorgenommen, die Sakristei wurde an die Nordseite der Kirche gebaut, aus dem Kircheninneren wurden alle nicht mehr für zeitgemäß gehaltenen Stilelemente entfernt. So verschwanden der wuchtige Hochaltar, zwei Nebenaltäre und die Kanzel. Der Altarraum wurde angehoben und mit rosa Marmor ausgelegt. Der neue Tabernakel, mit Email und Edelsteinen verziert, stand 1957 auf dem Hochaltar.

 

Durch das zweite Vatikanische Konzil kam es Mitte der 1960er Jahre zu erneuten Veränderungen. Um die Zelebration zum Volk zu ermöglichen wurde ein einfacher Altar aus Holz im Chorraum aufgestellt. Dieser provisorische Altar wurde später wieder entfernt, als der Tabernakel vom Hochaltar an das rechte Säulenpaar, umgesetzt wurde. Nun wurde der Hochaltar der Zelebrationsaltar. Die letzte Renovierung erfolgte 1989, die weitere, der damaligen Zeit entsprechende Veränderungen mit sich brachte.

 

 

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